
In den "Ansichten der Natur" verbindet Alexander von Humboldt empirische Naturforschung mit einer bis dahin ungewöhnlichen literarischen Darstellungsform. Die Essays - von den Steppen und Wüsten über Wasserfälle bis zu tropischen Pflanzenwelten - entfalten Natur nicht als bloße Ansammlung von Einzelphänomenen, sondern als dynamisches, wechselseitig verknüpftes Ganzes. Humboldts Stil ist zugleich präzise, bildkräftig und philosophisch reflektiert; er steht zwischen Aufklärung, Frühromantik und moderner Wissenschaftsprosa. Humboldt, Forschungsreisender, Naturforscher und Universalgelehrter, schöpfte aus den Erfahrungen seiner amerikanischen Expedition von 1799 bis 1804 sowie aus seiner umfassenden Kenntnis von Geographie, Botanik, Geologie, Klimatologie und Astronomie. Sein Bestreben, Messung und Anschauung, Statistik und ästhetische Erfahrung zusammenzuführen, erklärt die besondere Form dieses Buches. Es ist Ausdruck eines Denkens, das die Erde als zusammenhängenden Organismus begreift und den Menschen in diese Ordnung einzeichnet. Dieses Werk empfiehlt sich allen Leserinnen und Lesern, die den Ursprung ökologischen, globalen und interdisziplinären Denkens verstehen möchten. Es bietet nicht nur wissenschaftshistorische Einsichten, sondern auch eine eindrucksvolle Schule des Sehens: Natur wird hier erfahrbar als Erkenntnisraum, ästhetisches Ereignis und moralische Herausforderung.
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