
Alle Galgenlieder versammelt Christian Morgensterns berühmteste komische Lyrik: jene scheinbar leichtfüßigen, streng gebauten Gedichte, in denen Galgenbrüder, Palmström, Korf und groteske Dinge die Ordnung der Welt verschieben. Zwischen Fin de Siècle, Sprachskepsis und Nonsens-Tradition entfaltet Morgenstern ein poetisches Labor: Reim, Rhythmus, Lautwitz und logische Paradoxie werden zu Instrumenten philosophischer Erkenntnis. Hinter der Heiterkeit steht eine präzise Kunst der Verfremdung, die bürgerliche Vernunft ebenso prüft wie die Grenzen des Sagbaren. Christian Morgenstern, 1871 in München geboren, war Dichter, Übersetzer und ein sensibler Beobachter geistiger Strömungen seiner Zeit. Krankheit, Reisen, die Beschäftigung mit Nietzsche, Mystik und später Anthroposophie schärften seinen Blick für das Komische als Erkenntnisform. Die Galgenlieder entstanden aus geselligem Spiel, doch auch aus existenzieller Wachheit: Aus der Nähe zu Tod und Transzendenz erwächst ihr eigentümlich helles Gelächter. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die Sprachkunst nicht nur verstehen, sondern erleben möchten. Es bietet Vergnügen, philologische Raffinesse und metaphysische Leichtigkeit zugleich. Wer Morgenstern liest, entdeckt, dass Unsinn eine besonders genaue Form des Denkens sein kann.
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