
Alraune. Die Geschichte eines lebenden Wesens entfaltet einen der kühnsten mystischen Romane der deutschen Décadence: Aus einem wissenschaftlich verbrämten Experiment entsteht Alraune, ein künstlich gezeugtes Mädchen, dessen Herkunft aus Verbrechen, Begierde und abergläubischer Mandragora-Mythologie ihr ganzes Dasein überschattet. Ewers verbindet Schauerroman, erotischen Sensationalismus und psychologische Fallstudie mit der Sprache des Fin de Siècle; die Frage nach Vererbung, Schuld und freiem Willen wird in eine glänzend nervöse, oft grausam ironische Prosa gekleidet. Hanns Heinz Ewers (1871-1943), Kosmopolit, Bohemien und einer der wirkungsmächtigsten Autoren phantastischer Literatur im deutschen Sprachraum, kannte die zeitgenössischen Debatten über Hypnose, Sexualwissenschaft, Kriminalanthropologie und Okkultismus genau. Seine Reisen, seine Nähe zu Kabarett und Film sowie seine Faszination für Außenseiterfiguren prägten Frank Braun und Alraune gleichermaßen. Der Roman spiegelt Ewers' ambivalentes Interesse an moderner Wissenschaft, dämonischer Weiblichkeit und moralischer Entgrenzung. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die phantastische Literatur nicht als bloße Flucht, sondern als Labor kultureller Ängste verstehen. Alraune ist heute auch wegen seiner problematischen Geschlechter- und Wissenschaftsbilder aufschlussreich: Es fordert kritische Distanz, belohnt aber mit suggestiver Atmosphäre, erzählerischer Energie und einem Schlüsseltext zwischen Gothic Tradition, Symbolismus und früher Science-Fiction.
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