
von Lukas Verden
Das späte Bronzezeitalter kannte keine Grenzen im modernen Sinne. Zwischen den Palästen von Mykene, den Häfen Ugarits, den Kupfergruben Zyperns und den Schreibkammern ägyptischer Pharaonen verlief ein Geflecht aus Abhängigkeiten, das weder durch Sprache noch durch Königtum vollständig kontrolliert werden konnte. Es war ein System, das funktionierte, solange alle seine Teile funktionierten — und das genau darin seine tiefste Schwäche trug. Um 1177 v. Chr. hörte es auf zu funktionieren. Was folgte, war kein gewöhnlicher Krieg, keine einfache Invasion. Es war ein systemischer Zusammenbruch, dessen Ursachen sich gegenseitig verstärkten: jahrelange Dürre, die Ernten ausfallen ließ und die politische Legitimität der Palastwirtschaft unterhöhlte; Erdbeben, die physische Infrastruktur vernichteten, die Generationen gebaut hatten; und jene Konföderation von Seevölkern, die in ägyptischen Reliefs als monolithische Bedrohung verewigt wurde, in Wirklichkeit aber Teil einer breiteren Massenbewegung vertriebener, destabilisierter Bevölkerungen war. Sie kamen nicht aus dem Nichts. Sie kamen aus einem kollabierenden System in ein anderes. Die Tiefe dieses Einbruchs liegt nicht allein in seiner Gewalt, sondern in seiner Stille. Ugarit, eine der bedeutendsten Handels- und Verwaltungsstädte der antiken Mittelmeerwelt, wurde zerstört und nie wieder bewohnt. Die Linearschrift B, das Verwaltungswerkzeug der mykenischen Palastbürokratie, verschwand mit den Institutionen, die sie benötigt hatten.
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Maße: x21.0 x29.7 cm
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