
von Carsten Franke
Mein Vater wurde behandelt. Doch die richtige Diagnose hatte noch keinen Namen. Als Carsten Frankes Vater zunehmend stolpert und Probleme beim Gehen entwickelt, scheint die Ursache zunächst im orthopädischen Bereich zu liegen. Behandlungen folgen – doch die Beschwerden schreiten weiter voran. Erst als ein Neurologe den veränderten Gang beobachtet, ändert sich die Richtung der Suche. Später fällt die Diagnose: Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS. „ALS – Verlorene Zeit“ erzählt die persönliche Geschichte eines langen Weges zur Diagnose und verbindet sie mit einer sorgfältig recherchierten Auseinandersetzung mit medizinischer Diagnostik. Warum wird ALS trotz moderner Neurologie häufig erst nach Monaten erkannt? Welche Rolle spielen plausible Fehldiagnosen, Fachgrenzen, klinisches Denken, spezialisierte Zentren und die besondere Schwierigkeit neurologischer Diagnostik? Das Buch beschäftigt sich auch mit Neurophobie – einem Begriff aus der medizinischen Ausbildungsforschung für Unsicherheit und mangelndes Vertrauen im Umgang mit Neurologie – ohne sie vorschnell zur Ursache von Diagnoseverzögerungen zu erklären. Es geht um diagnostische Unsicherheit, die Grenzen medizinischer Gewissheit und die Frage, wann eine zunächst plausible Erklärung neu überprüft werden muss. Dabei ist dieses Buch weder Abrechnung noch Ratgeber. Es ist persönlicher Erfahrungsbericht und recherchiertes Sachbuch zugleich: über ALS, verlorene Zeit und darüber, was gute Diagnostik leisten kann – und wo ihre Grenzen liegen. Persönlich. Recherchiert. Kritisch – ohne einfache Schuldzuweisungen.
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