
Anti-Justine oder die Freuden der Liebe ist Restif de la Bretonnes programmatische Gegenrede zu de Sades Justine: ein erotischer Roman, der libertine Offenheit mit moralischer, ja utopischer Absicht verbindet. In episodischer Form entfaltet das Werk Szenen der Verführung, der Sinnlichkeit und der sozialen Beobachtung, wobei sein Stil zwischen aufklärerischer Argumentation, empfindsamer Erzählkunst und bewusst provokativer Körperrede wechselt. Im Kontext der französischen Spätaufklärung erscheint es als Versuch, Begehren nicht als Grausamkeit, sondern als Quelle gegenseitiger Lust und gesellschaftlicher Reform zu denken. Restif de la Bretonne, 1734 in Burgund geboren und später in Paris als Setzer, Schriftsteller und unermüdlicher Chronist des urbanen Lebens tätig, war ein Autor von außergewöhnlicher Produktivität und Widersprüchlichkeit. Seine Nähe zu Druckwerkstätten, Gassen, Salons und Randfiguren der Hauptstadt prägte seinen Blick auf Sexualität, Armut, Geschlechterordnung und Moral. Anti-Justine entspringt diesem Erfahrungsraum ebenso wie seiner entschiedenen Ablehnung sadistischer Philosophie. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die Erotik als literarisches, historisches und ideengeschichtliches Phänomen ernst nehmen. Es ist kein bloßes Kuriosum, sondern ein Schlüsseltext zum Verständnis aufklärerischer Debatten über Lust, Freiheit und Verantwortung.
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