
Karl Philipp Moritz' "Anton Reiser" erzählt die Entwicklung eines empfindsamen, gesellschaftlich verletzlichen jungen Mannes, dessen Hunger nach Bildung, Anerkennung und ästhetischer Selbstverwirklichung fortwährend an Armut, Demütigung und innerer Zerrissenheit scheitert. Als früher Bildungs- und psychologischer Roman verbindet das Werk autobiographische Genauigkeit mit analytischer Nüchternheit; sein Stil ist zugleich aufklärerisch beobachtend und von der Empfindsamkeit sowie dem Sturm und Drang berührt. Nicht äußere Handlung, sondern die minutiöse Erforschung von Bewusstsein, Scham, Phantasie und sozialer Ausgrenzung bildet sein Zentrum. Moritz, 1756 geboren, kannte viele der im Roman gestalteten Erfahrungen aus eigener Biographie: eine pietistisch geprägte Kindheit, schwierige Lehrjahre, Bildungsstreben gegen widrige Umstände und eine intensive Beschäftigung mit Theater, Pädagogik, Psychologie und Ästhetik. Als Herausgeber des "Magazins zur Erfahrungsseelenkunde" war er einer der wichtigsten Beobachter seelischer Prozesse im späten 18. Jahrhundert. "Anton Reiser" erscheint daher wie die literarische Summe seiner Selbstbeobachtung und seiner anthropologischen Forschung. Dieses Buch empfiehlt sich allen Lesern, die den deutschen Roman an einem entscheidenden Übergangspunkt verstehen wollen. Es ist keine bloße Lebensgeschichte, sondern eine präzise Studie darüber, wie Gesellschaft und Einbildungskraft ein Ich formen, beschädigen und zugleich zur Erkenntnis treiben.
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Maße: 1.1 x15.2 x22.9 cm
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