
von Wilkie Collins
Wilkie Collins' "Antonina" ist ein historischer Roman über den Untergang des weströmischen Glanzes, angesiedelt zur Zeit der Belagerung Roms durch Alarich und die Goten im frühen 5. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht Antonina, deren private Leidensgeschichte mit religiösem Fanatismus, politischer Dekadenz und barbarischer Vergeltung verschränkt wird. Collins schreibt hier noch im Modus des viktorianischen Geschichtsromans: breit angelegte Szenen, melodramatische Zuspitzung, moralische Kontraste und eine an Walter Scott geschulte Verbindung von Einzelschicksal und Epochenbruch prägen das Werk. Der junge Wilkie Collins, später berühmt durch "Die Frau in Weiß" und "Der Monddiamant", veröffentlichte "Antonina" 1850 als einen seiner frühesten Romane. Seine Bildung, seine Reisen auf dem europäischen Kontinent und das künstlerische Umfeld seines Vaters, des Malers William Collins, schärften seinen Blick für Schauplätze, Atmosphäre und historische Tableaus. Bereits hier zeigt sich sein Interesse an Außenseitern, bedrohten Frauenfiguren und den Spannungen zwischen gesellschaftlicher Ordnung und individueller Leidenschaft. Empfohlen sei "Antonina" allen Lesern, die Collins nicht nur als Meister des Sensationsromans, sondern in seiner literarischen Entwicklung kennenlernen möchten. Das Buch verbindet historische Imagination mit psychologischer Dramatik und eröffnet einen faszinierenden Blick auf die viktorianische Vorstellung vom Ende einer Zivilisation.
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