
Kernenergie ist nach wie vor ein wichtiges Thema von Energiepolitik und öffentlicher Debatte. Selbst wenn in Deutschland die Abschaltung der letzten Kernkraftwerke im Jahr 2023 das letzte Wort der Politik bleiben sollte, stellt sich mit Dringlichkeit die Frage, was mit dem schon angefallenen wie mit dem künftig womöglich hinzukommenden hochradioaktiven Atommüll geschehen soll. Wie lässt sich eine Atommüllentsorgung gestalten, die auch zukünftige Generationen über Jahrtausende hinweg möglichst wenig gefährdet? Und wie kann man heute sachlich adäquate, legitime und ethisch vertretbare Entscheidungen für eine unvorstellbar ferne Zukunft treffen? Der Band untersucht kulturelle, gesellschaftliche und politische Problemstellungen der Atommüllentsorgung. Im Zentrum steht die prinzipielle Alternative »Öffnen oder Schließen«: Soll Atommüll möglichst dauerhaft und unzugänglich eingeschlossen werden – oder müssen bestimmte Entscheidungen revidierbar bleiben, so dass die Nachgeborenen eigene Lösungen finden können? Die Beiträge verbinden Endlagerung mit Fragen von intergenerationaler Verantwortung, Demokratie und den Möglichkeitsbedingungen der Gestaltung sehr ferner Zukünfte. Dabei ergänzt der Band den vorherrschenden natur- und ingenieurwissenschaftlichen Diskurs der Thematik um aktuelle interdisziplinäre kultur- und sozialwissenschaftliche Perspektiven.
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