
Auf der Höhe, in vier Bänden angelegt, verbindet den Gesellschafts- und Bildungsroman des 19. Jahrhunderts mit Auerbachs scharfer Beobachtung politischer und moralischer Milieus. Zwischen Hof, bürgerlicher Öffentlichkeit und ländlicher Welt entfaltet der Roman ein Panorama deutscher Zustände nach 1848: Fragen nach Herrschaft, Gewissen, Liebe, Erziehung und sozialer Verantwortung werden in ruhiger, psychologisch ausgreifender Prosa verhandelt. Auerbachs Stil ist zugleich erzählerisch weitläufig und didaktisch präzise; seine Figuren dienen nicht bloß der Handlung, sondern der Prüfung liberal-humanistischer Ideale. Berthold Auerbach, 1812 im württembergischen Nordstetten geboren, wurde durch die Schwarzwälder Dorfgeschichten berühmt und blieb zeitlebens ein Vermittler zwischen jüdischer Herkunft, deutscher Bildungskultur und demokratischem Reformdenken. Seine Erfahrungen mit Ausgrenzung, Zensur, Revolutionserwartung und literarischem Erfolg schärften sein Interesse an gesellschaftlicher Integration. Auf der Höhe lässt erkennen, wie sehr ihn die Möglichkeit beschäftigte, private Moral und öffentliche Ordnung miteinander zu versöhnen. Empfohlen sei dieser Roman Leserinnen und Lesern, die nicht nur Handlung, sondern geistige Architektur suchen. Wer Fontane, Keller oder die großen europäischen Realisten schätzt, findet hier ein anspruchsvolles, historisch aufschlussreiches Werk, das die Hoffnungen und Widersprüche des liberalen 19. Jahrhunderts mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit sichtbar macht.
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