
von Kaspar Maase
Der Essay stellt ethnografische Fragestellungen und alltagsästhetische Konzepte der Empirischen Kulturwissenschaft für die Suche nach einer ›anderen Ästhetik‹ vor, die anders als das Konzept der ästhetischen Autonomie gelagert sind. Vorgeschlagen wird Forschung aus der Perspektive und von den Erfahrungen ›gewöhnlicher Leute‹ aus. Zu deren Alltag gehört die Suche nach ästhetischem Erleben. Dazu schaffen sie sich vorrangig emotional befriedigende und eindrucksstarke Zugänge zu ästhetischen Phänomenen. Körperliche und emotionale, nicht begrifflich artikulierte Dimensionen des Erlebens zu beschreiben, steht daher im Zentrum alltagskulturwissenschaftlicher Arbeit.Skizziert werden Veränderungen im ästhetischen Denken und Bewerten von Kunst, die die Geltung des Konzepts der ästhetischen Autonomie abgeschmolzen haben. Sie waren mit dem Aufstieg der Massenkultur und der umfassenden Ästhetisierung des Alltags verbunden. Der Kampf gegen die sich entfaltende Populärkultur berief sich auf ein Kernelement ästhetischer Autonomie: die »Höchstschätzung der Kunst« (Jörg Robert). Ein historischer Rückblick zeigt: Mit der Etablierung populärer Künste in der Mitte der Gesellschaft wurden zunehmend ästhetische Praktiken normalisiert, die sich dem Autonomiegebot widersetzen.
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