
von Sylvia Wynter
Aufstören von Kolonialität ist ein Schlüsseltext der großen karibischen Denkerin Sylvia Wynter. Mit historischer Tiefenschärfe und theoretischer Radikalität zeigt Wynter, dass die westliche Moderne eine besondere Gestalt des Menschen zur universalen Norm erhoben hat – und damit bis heute bestimmt, wer als vollwertig menschlich gilt und wer an den Rand gedrängt wird. Ihre Analyse führt von der christlichen Ordnung des Mittelalters über Renaissance, Kolonialismus und Rassifizierung bis zur bioökonomischen Gegenwart. Im Zentrum steht eine ebenso präzise wie folgenreiche These: Machtverhältnisse lassen sich nicht dauerhaft verändern, solange die herrschende Vorstellung vom Menschlichen unangetastet bleibt. Im Dialog mit Fanon, Césaire, Foucault und Quijano eröffnet sie einen transkulturellen Denkraum, in dem der Mensch nicht länger als rein biologisches oder ökonomisches Wesen erscheint, sondern als eine Spezies, die ihre gesellschaftlichen Wirklichkeiten selbst hervorbringt.
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