
In "Ausflug an den Niederrhein und nach Belgien im Jahr 1828" entfaltet Johanna Schopenhauer eine kulturhistorisch aufschlussreiche Reiseprosa, die Beobachtungsgabe, gesellige Eleganz und aufgeklärte Neugier verbindet. Der Bericht führt durch rheinische Landschaften, Städte, Kunstsammlungen und gesellschaftliche Milieus bis nach Belgien und steht im Kontext der bürgerlichen Reiseliteratur des frühen 19. Jahrhunderts. Schopenhauers Stil ist klar, anschaulich und urteilsfreudig; Landschaft, Architektur, Geschichte und Alltagsleben werden nicht bloß registriert, sondern in gebildeter Reflexion gedeutet. Die Autorin, 1766 in Danzig geboren und später eine zentrale Gastgeberin literarischer Kreise in Weimar, verfügte über eine außergewöhnliche Erfahrung im Umgang mit Künstlern, Gelehrten und Reisenden. Als Mutter Arthur Schopenhauers ist sie oft biographisch überschattet worden, doch ihre eigenen Romane, Erinnerungen und Reisebeschreibungen bezeugen eine selbständige literarische Stimme. Ihre Mobilität, Weltkenntnis und gesellschaftliche Unabhängigkeit prägten den Blick dieses Buches. Empfohlen sei dieser Reisebericht allen Lesern, die historische Reisekultur, weibliche Autorschaft und die Wahrnehmung Europas vor der Moderne erkunden möchten. Das Werk bietet nicht nur reizvolle Ortsbilder, sondern auch ein feines Dokument bürgerlicher Bildung und weiblicher Beobachtungskunst.
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