
von Fabio Stassi
Heute kann es in vielen Teilen der Welt wieder brandgefährlich sein, eine öffentliche Bibliothek zu betreten. Die politische Polizei kontrolliert die Register, durchsucht Wohnungen von Nutzern, schwarze Listen »schädlicher« Literatur tauchen auf. Doch über solche Meldungen sollten wir eigentlich frohlocken: Bücher besitzen demnach noch immer ein hohes Bedrohungspotenzial. Immer schon und überall fürchteten die Machthaber lesende Menschen, und Büchervernichtung und Zensur haben eine uralte Geschichte. Denn Lesen ist eine Übung in Freiheit – ein Menschenrecht, das es zu verteidigen gilt. Fabio Stassi, Büchermensch mit Leib und Seele, ermittelt in einer packenden Mischung aus Reportage, Essay, Memoir und Pamphlet temporeich zu dieser Beziehung zwischen Mensch und Buch. Nach der Pandemie führt ihn eine Lesetour durch deutsche Städte zum Bebelplatz und zur Bücherverbrennung von 1933 – dem Ausgangspunkt seiner Weltreise durch eine Naturgeschichte der Zerstörung. Auf dem Naziindex auch fünf italienische Autoren, die für Freiheit, Liebe, mediterranen Kosmopolitismus, die Utopie einer Weltverfassung, radikalen Antifaschismus, Kampf gegen das Patriarchat – die Grundfeste aller Diktaturen – standen. Heute, »erneut umgeben von Menschen, die ganz aus Charakter und nicht aus Büchern gemacht sind«, müssen wir uns gewärtig sein, dass nur die Literatur »das ständige Gegengift gegen das Jeder-gegen-jeden-Prinzip bereithält«.
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