
von Carl Sternheim
In "Busekow und andere gesellschaftskritische Novellen" verdichtet Carl Sternheim die sozialen Spannungen des frühen 20. Jahrhunderts zu pointierten Prosaminiaturen. Im Zentrum stehen Figuren, deren Ehrgeiz, Anpassung und moralische Selbsttäuschung die Mechanismen bürgerlicher Macht sichtbar machen. Sternheims Stil ist knapp, scharf konturiert und satirisch zugespitzt; er verbindet expressionistische Verknappung mit der Tradition der Gesellschaftskritik von Naturalismus und Moderne. Carl Sternheim, 1878 in Leipzig geboren und 1942 im Exil gestorben, gehörte zu den bedeutendsten deutschsprachigen Satirikern seiner Zeit. Als genauer Beobachter des wilhelminischen Bürgertums, selbst mit dessen Milieu vertraut, machte er dessen Sprache, Besitzdenken und Statusangst zum Gegenstand literarischer Analyse. Seine Dramen wie "Die Hose" oder "Der Snob" zeigen dieselbe unerbittliche Diagnose, die auch diese Novellen prägt. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Literatur nicht nur als Erzählkunst, sondern als Instrument gesellschaftlicher Erkenntnis schätzen. Sternheims Novellen sind historisch präzise und zugleich überraschend gegenwärtig: Sie zeigen, wie Konvention, ökonomischer Druck und Selbstinszenierung menschliches Handeln formen. Wer scharfsinnige Satire, sprachliche Konzentration und moralische Unbequemlichkeit sucht, findet hier eine anspruchsvolle, lohnende Lektüre.
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