
von Karl Schönherr, Luise Reinhardt u. a.
Luise Reinhardts Caritas stellt den Begriff der tätigen Nächstenliebe ins Zentrum einer literarischen Untersuchung von Pflicht, Mitgefühl und gesellschaftlicher Verantwortung. Der Titel verweist auf eine lange christlich-humanistische Tradition, doch der Text interessiert sich weniger für abstrakte Moral als für deren Bewährung im konkreten Leben. In einem ernsthaften, beobachtenden Stil verbindet das Buch erzählerische Anschaulichkeit mit ethischer Reflexion und steht damit im Kontext jener Literatur, die soziale Fragen nicht nur darstellt, sondern prüfend durchdenkt. Über Luise Reinhardt lassen sich aus den vorliegenden Angaben nur vorsichtige Schlüsse ziehen; gerade deshalb tritt ihr Werk umso deutlicher hervor. Die Wahl des Titels deutet auf eine Autorin, die mit den Spannungen zwischen persönlicher Empfindung, religiöser Verpflichtung und öffentlicher Wohltätigkeit vertraut ist. Caritas wirkt wie ein Versuch, die moralische Sprache der Barmherzigkeit gegen bloße Sentimentalität zu verteidigen und zugleich ihre praktischen Grenzen sichtbar zu machen. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die Literatur als Raum ernsthafter Gewissensprüfung schätzen. Caritas bietet keine leichte Zerstreuung, sondern eine konzentrierte Begegnung mit Fragen, die bis heute dringlich bleiben: Was schulden Menschen einander, und wann wird Hilfe zur wirklichen Liebe?
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