
Arthur Schnitzlers Casanovas Heimfahrt entfaltet die späte Episode eines entzauberten Verführers, der nach Jahren der Verbannung nach Venedig zurückstrebt und in der Begegnung mit der jungen Marcolina seine einstige Macht an Alter, Begehren und Selbstbetrug misst. Die Novelle, 1918 erschienen, verbindet historische Maskerade mit psychologischer Präzision: Hinter der eleganten, kontrollierten Prosa erscheinen Erotik, Eitelkeit und Todesnähe als moderne Krisenphänomene. Im Kontext der Wiener Moderne wird Casanova nicht romantisiert, sondern als Bewusstsein im Zerfall analysiert. Schnitzler, Arzt, Dramatiker und scharfsinniger Chronist des fin de siècle, verfügte über eine außergewöhnliche Sensibilität für unbewusste Motive, soziale Rollen und sexuelle Doppelmoral. Seine Nähe zu medizinischer Psychologie und psychoanalytischen Fragestellungen prägt auch diese Erzählung: Casanovas Heimkehr wird weniger als Abenteuer denn als klinisch genaue Studie männlicher Selbsttäuschung lesbar. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die historische Stoffe in moderner, intellektuell anspruchsvoller Gestaltung schätzen. Schnitzlers Novelle bietet keine bloße Casanova-Anekdote, sondern eine dichte Reflexion über Altern, Macht, Begierde und moralische Verantwortung.
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