
von Paul Heyse
Crone Stäudlin entfaltet in konzentrierter Novellenform das Porträt einer eigensinnigen, gesellschaftlich randständigen Frau, deren Lebensgeschichte zum Prüfstein bürgerlicher Moral und sozialer Wahrnehmung wird. Heyse verbindet psychologische Beobachtung mit klarer, ökonomischer Erzählführung; das scheinbar kleine Schicksal erhält exemplarische Bedeutung. Im Kontext des poetischen Realismus steht die Erzählung für jene Kunst, Alltägliches durch Formstrenge, Symbolik und genaue Milieuschilderung zu verdichten. Paul Heyse, 1830 in Berlin geboren und später eine Zentralfigur des Münchner Literaturlebens, war einer der einflussreichsten deutschen Erzähler des 19. Jahrhunderts. Seine Theorie der Novelle, sein Interesse an Konflikten zwischen individueller Leidenschaft und gesellschaftlicher Ordnung sowie seine humanistisch gebildete Perspektive prägen auch dieses Werk. Als Übersetzer, Dramatiker und Nobelpreisträger verfügte Heyse über eine außergewöhnliche Sensibilität für Form, Ton und seelische Zwischentöne. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die den poetischen Realismus nicht als bloße Sittenschilderung, sondern als präzise Analyse menschlicher Würde, Schuld und Selbstbehauptung entdecken möchten. Crone Stäudlin belohnt aufmerksame Lektüre durch seine stille Spannung und seine moralische Vieldeutigkeit.
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