
von Meyer, Conrad F., Gerhard Rentzsch u. a.
Das Amulett entfaltet vor dem Hintergrund der französischen Religionskriege und der Bartholomäusnacht von 1572 eine spannungsvolle Erzählung von Treue, Glaubenskonflikt und gefährdeter Identität. Im Zentrum steht ein junger Schweizer Protestant, der in Paris zwischen höfischer Verführung, persönlicher Freundschaft und tödlichem Fanatismus bestehen muss. Meyers Stil verbindet die strenge Ökonomie des poetischen Realismus mit historischer Anschaulichkeit: knappe Szenen, symbolische Verdichtung und psychologisch kontrollierte Spannung machen das Amulett zum Zeichen von Schutz, Schicksal und Erinnerung. Conrad Ferdinand Meyer, 1825 in Zürich geboren und 1898 in Kilchberg gestorben, war einer der bedeutenden Schweizer Erzähler des 19. Jahrhunderts. Seine protestantische Herkunft, die Nähe zur europäischen Geschichtskultur sowie Erfahrungen innerer Krisen schärften seinen Blick für historische Entscheidungssituationen. Wiederholt wählte er Stoffe der Renaissance und Reformationszeit, um Fragen von Gewissen, Macht und moralischer Selbstbehauptung in exemplarischer Form zu untersuchen. Empfohlen sei dieses Buch allen Lesern, die historische Prosa nicht als bloße Kostümgeschichte, sondern als präzise Deutung menschlichen Handelns schätzen. Das Amulett bietet dramatische Ereignisse ohne rhetorische Überladung und lässt zugleich die Ambivalenz religiöser Überzeugungen sichtbar werden. Wer Meyers Kunst kennenlernen möchte, findet hier einen konzentrierten, eindringlichen Zugang zu seinem Werk.
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