
von Hugo Bettauer
In "Das blaue Mal" verwandelt Hugo Bettauer ein scheinbar nebensächliches körperliches Zeichen in den erzählerischen Schlüssel einer spannungsreichen Studie über Herkunft, Schuld, Begehren und gesellschaftliche Zuschreibung. Der Roman verbindet Elemente des Kriminal- und Sensationsromans mit der präzisen Beobachtung urbaner Milieus, wie sie für die deutschsprachige Unterhaltungsliteratur der Zwischenkriegszeit charakteristisch ist. Bettauers Stil ist direkt, feuilletonistisch geschult und zugleich sozialdiagnostisch: Hinter der Handlung erscheint die moderne Großstadt als Raum der Masken, der Gerüchte und der moralischen Doppeldeutigkeiten. Hugo Bettauer, 1872 in Baden bei Wien geboren, war Journalist, Weltreisender und einer der provozierendsten österreichischen Erfolgsautoren seiner Zeit. Seine Erfahrungen in Wien, Berlin und New York, sein Interesse an Sexualreform, sozialer Mobilität und öffentlicher Heuchelei prägten sein literarisches Programm. Als jüdischer, liberaler Publizist geriet er früh ins Visier reaktionärer und antisemitischer Kreise; 1925 wurde er ermordet. Diese biographische Spannung erklärt die Schärfe seines Blicks auf Stigmatisierung und Ausgrenzung. Empfohlen sei "Das blaue Mal" allen Leserinnen und Lesern, die populäre Spannungsliteratur nicht als bloße Zerstreuung, sondern als historisches Dokument gesellschaftlicher Konflikte lesen möchten. Der Roman bietet Tempo, Atmosphäre und zugleich ein aufschlussreiches Porträt jener Moderne, in der Identität zur gefährlichen Frage wird.
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