
von Steffen Rassloff
Das vom Königreich Preußen im April 1849 vorgeschlagene Projekt einer Deutschen Union und das darauf beruhende Unionsparlament, das im März und April 1850 in Erfurt tagte, galten lange Zeit nur als kurze Episode der deutschen Geschichte. Der Versuch, nach dem Scheitern der Revolution von 1848/49 unter konservativeren Vorzeichen doch noch einen deutschen National- und Verfassungsstaat zu gründen, zerbrach an vielerlei äußeren und inneren Widerständen. Daher erfuhr das Unionsparlament nach 1850 kaum Aufmerksamkeit. Seit einigen Jahren hat sich die Geschichtswissenschaft jedoch intensiver mit dem Unionsparlament befasst. Auch in der öffentlichen Erinnerung ist es seit einiger Zeit stärker präsent. Die Beiträge des Bandes werfen neue Schlaglichter auf das Unionsparlament, einige seiner wichtigen Akteure, die Orte des Geschehens, den Gang der Verhandlungen sowie die Rezeptionsgeschichte. Die Unionspolitik war zwar keine reine Fortsetzung der Revolution, aber auch keine bloße Reaktionspolitik. Vielmehr stellte sie eine wichtige Transformationsphase zwischen dem demokratischen Aufbruch 1848/49 und der postrevolutionären Zeit bis zur Reichsgründung von 1871 dar.
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