
von Joseph Roth
Joseph Roths "Das falsche Gewicht" erzählt die Geschichte des ehemaligen Unteroffiziers Anselm Eibenschütz, der als Eichmeister in eine galizische Grenzstadt versetzt wird und dort an Korruption, Schmuggel, Begehren und moralischer Desorientierung zerbricht. Die Novelle verbindet realistische Milieuschilderung mit parabelhafter Verdichtung: Das Motiv des falschen Gewichts wird zum Sinnbild einer aus den Fugen geratenen Ordnung. In knapper, elegischer Prosa entfaltet Roth den Untergang der habsburgischen Welt als psychologisches und metaphysisches Drama. Joseph Roth, 1894 im ostgalizischen Brody geboren, war selbst ein Kind jener multiethnischen Randzonen der Donaumonarchie, die sein Werk immer wieder beschwört. Als Journalist, Emigrant und scharfsinniger Beobachter des europäischen Zerfalls schrieb er aus Erfahrung von Heimatverlust, Bürokratie, militärischer Disziplin und sozialer Entwurzelung. Seine melancholische Loyalität gegenüber der versunkenen kaiserlichen Ordnung prägt auch diese Erzählung, ohne sie nostalgisch zu verharmlosen. Empfohlen sei dieses Buch allen Leserinnen und Lesern, die historische Prosa mit symbolischer Tiefe schätzen. "Das falsche Gewicht" ist ein meisterhaft konzentriertes Werk über Schuld, Maßlosigkeit und den Verlust verlässlicher Maßstäbe; es gehört zu den eindringlichsten kleineren Prosatexten Roths.
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