
In »Das Feuer« entfaltet Gabriele D'Annunzio das Venedig der Jahrhundertwende als Bühne einer leidenschaftlichen, zugleich ästhetisch überhöhten Beziehung zwischen dem Dichter Stelio Effrena und der alternden Schauspielerin Foscarina. Der autobiographisch grundierte Roman verbindet Liebesdrama, Künstlerroman und Programmschrift des europäischen Fin de Siècle. In einer dichten, musikalisch rhythmisierten Prosa, reich an Symbolen, Farben und synästhetischen Bildern, wird Kunst als Rausch, Opfer und Machtform begriffen; Wagner, die Renaissance und der Dekadentismus bilden seinen geistigen Resonanzraum. D'Annunzio, 1863 geboren, war Dichter, Romancier, Dramatiker und öffentlicher Selbstdarsteller von außergewöhnlicher Wirkung. Seine Liaison mit der berühmten Schauspielerin Eleonora Duse lieferte wesentliche Impulse für die Gestalt der Foscarina und für die Spannung zwischen künstlerischer Verehrung und persönlicher Ausbeutung. Der Autor schrieb aus einer Existenz heraus, die Leben und Kunst bewusst verschmolz: aristokratischer Ästhetizismus, Ruhmverlangen und ein ausgeprägter Kult des schöpferischen Ichs prägen diesen Roman. Empfohlen sei »Das Feuer« Lesern, die nicht nur eine Liebesgeschichte erwarten, sondern ein Schlüsselwerk der europäischen Moderne in ihrer dekadenten Vorphase. Wer sich für Künstlerexistenz, Geschlechterbilder, Theaterkultur und die Selbstinszenierung des Genies interessiert, findet hier ein ebenso betörendes wie problematisches Dokument literarischer Leidenschaft.
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