
von Hermann Stehr
Das Geschlecht der Mächler entfaltet die Geschichte einer Familie als moralisches und soziales Schicksalsgewebe: Herkunft, Besitz, religiöse Bindung und verdrängte Schuld bestimmen das Handeln der Figuren stärker, als ihnen bewusst ist. Stehr verbindet realistische Milieubeobachtung mit psychologischer Durchdringung und einer beinahe biblischen Ernsthaftigkeit. Im literarischen Kontext der Jahrhundertwende steht der Roman zwischen Heimatkunst, Naturalismus und metaphysisch grundierter Seelendichtung; sein Interesse gilt weniger äußerer Handlung als der Frage, wie ein Geschlecht an seinen inneren Gesetzen wächst oder zerbricht. Hermann Stehr, 1864 in Oberschlesien geboren, war Lehrer und kannte die Welt kleiner Gemeinden, sozialer Abhängigkeiten und konfessioneller Prägungen aus unmittelbarer Erfahrung. Diese Herkunft erklärt die Genauigkeit, mit der er ländliche Lebensformen, Sprachhaltungen und moralische Konflikte gestaltet. Zugleich beschäftigten ihn lebenslang Gewissen, Erlösung und die Würde des einfachen Menschen, Themen, die diesem Werk seine geistige Spannung verleihen. Empfohlen sei das Buch Leserinnen und Lesern, die den deutschen Roman um 1900 jenseits kanonischer Namen entdecken möchten. Wer Familiengeschichte, ethische Konflikte und eine dichte, ernste Prosa schätzt, findet hier ein vielschichtiges Werk von bleibender kultur- und literaturhistorischer Bedeutung.
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