
von Arthur Conan Doyle, Herman Bang u. a.
Das graue Haus entfaltet um das titelgebende Gebäude einen konzentrierten sozialen Mikrokosmos, in dem häusliche Ordnung, kindliche Wahrnehmung und moralische Bewährung ineinandergreifen. Else Ury verbindet die Spannung einer Familien- und Entwicklungserzählung mit dem genauen Blick des bürgerlichen Realismus: Räume, Gesten und Gespräche werden zu Trägern sozialer Bedeutung. Im Kontext der deutschsprachigen Mädchen- und Jugendliteratur des frühen 20. Jahrhunderts zeigt der Text, wie Erziehung, Mitgefühl und Selbstständigkeit erzählerisch verhandelt werden. Else Ury, 1877 in Berlin geboren, gehörte zu den erfolgreichsten deutsch-jüdischen Autorinnen ihrer Zeit. Ihre Herkunft aus einem gebildeten, großstädtischen Bürgertum, ihre Nähe zu Fragen weiblicher Bildung und ihr besonderes Gespür für kindliche Innenwelten prägen auch dieses Buch. Dass sie Alltagsszenen nicht bloß idyllisiert, sondern als moralische Prüfungsräume gestaltet, erklärt die bleibende Wirkung ihrer Prosa. Empfohlen sei Das graue Haus Leserinnen und Lesern, die historische Kinderliteratur nicht nur nostalgisch, sondern kulturgeschichtlich ernst nehmen möchten. Das Buch bietet eine zugängliche, zugleich vielschichtige Lektüre über Gemeinschaft, Verantwortung und die stille Dramatik des Alltags.
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