
von Richard Voss
Das Haus der Grimaldi entfaltet die Geschichte eines Geschlechts, dessen private Leidenschaften und öffentliche Machtansprüche unauflöslich ineinandergreifen. Als historischer Roman verbindet das Werk dynastische Chronik, politische Intrige und psychologische Charakterzeichnung; der Schauplatz des monegassisch-italienischen Mittelmeerraums erscheint als Bühne, auf der Ehre, Besitz und Legitimität verhandelt werden. Voß schreibt in der Tradition des historistischen Erzählens des späten 19. Jahrhunderts: malerische Szenerie, dramatische Dialogführung und ein ausgeprägter Sinn für moralische Konflikte geben der Handlung gelehrte Anschaulichkeit. Richard Voß, 1851 in Pommern geboren und 1918 in Berchtesgaden gestorben, war mit den Kulturräumen Italiens vertraut, die seine Prosa nachhaltig prägten. Nach Kriegserfahrung, Studienjahren und ausgedehnten Reisen fand er in südlichen Landschaften und aristokratischen Vergangenheiten Stoffe, in denen persönliche Bestimmung und historische Gewalt zusammentreffen. Seine Nähe zu Theater und Erzählkunst erklärt die szenische Verdichtung dieses Romans. Daher empfiehlt sich Das Haus der Grimaldi Lesern, die historische Fiktion nicht nur als Kostüm und Abenteuer, sondern als Untersuchung von Herrschaft, Erinnerung und Charakter begreifen. Wer an mediterraner Geschichte, an dynastischen Konflikten und an der deutschen Romankunst um 1900 interessiert ist, findet hier ein kenntnisreich komponiertes Werk von bleibender atmosphärischer Kraft.
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