
Das Herrenhaus ist ein präzise komponierter Gesellschaftsroman, in dem John Galsworthy das englische Landgut als moralischen Schauplatz der edwardianischen Ordnung sichtbar macht. Um die Familie Pendyce und ihr Anwesen gruppiert sich ein Konflikt von Besitz, Ehe, Begehren und sozialer Reputation. Galsworthys Stil verbindet psychologische Zurückhaltung mit ironischer Beobachtung; Natur- und Interieurschilderungen werden zu Zeichen einer erstarrten Klassenwelt. Im Kontext des realistischen Romans steht das Buch zwischen viktorianischem Erbe und moderner Skepsis gegenüber Institutionen. John Galsworthy, 1867 in eine wohlhabende englische Familie geboren und juristisch ausgebildet, kannte die Mentalität der besitzenden Klassen aus nächster Nähe. Seine Skepsis gegenüber Eigentumsdenken, Standesdünkel und rechtlich sanktionierter Unfreiheit prägt auch die Forsyte-Chronik. Als Dramatiker und Romancier interessierte ihn weniger der Skandal als die stille Gewalt gesellschaftlicher Konventionen. Das Herrenhaus lässt sich daher als literarische Untersuchung jener Welt lesen, aus der Galsworthy selbst hervorging und die er zugleich kritisch sezierte. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die an nuancierter Sozialkritik, feiner Charakterzeichnung und der Geschichte englischer Lebensformen interessiert sind. Es bietet keine bloße Landhausidylle, sondern eine kluge Analyse von Macht, Anstand und persönlicher Verantwortung.
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