
von John Berger, Anton Pawlowitsch Tschechow u. a.
Das Kunstwerk entfaltet am Beispiel des Hotelgewerbes eine präzise Studie amerikanischer Arbeitsethik, sozialer Aufstiegsfantasien und der fragilen Würde professioneller Meisterschaft. Im Zentrum steht Myron Weagle, dessen Verständnis von Gastlichkeit weniger Geschäft als Form praktischer Kunst ist. Lewis verbindet dokumentarische Genauigkeit, gesellschaftskritische Satire und psychologischen Realismus; das Hotel erscheint als modernes Labor, in dem Klasse, Geschmack, Kommerz und Moral der Zwischenkriegszeit aufeinandertreffen. Sinclair Lewis, 1885 in Minnesota geboren und 1930 als erster amerikanischer Autor mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet, kannte die Rituale bürgerlicher Selbstinszenierung ebenso wie die Ökonomie kleiner Städte. Nach Romanen wie Main Street und Babbitt richtete er seinen Blick erneut auf jene Institutionen, in denen Amerika sich selbst erklärt. Seine journalistische Beobachtungsgabe, seine Skepsis gegenüber Erfolgsideologien und sein Interesse an beruflicher Integrität prägen diesen Roman sichtbar. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die Literatur als Erkenntnisinstrument schätzen. Es ist weder bloße Branchenchronik noch einfache Charakterstudie, sondern eine kluge Untersuchung der Frage, wann Arbeit Sinn gewinnt und wann sie vom Markt entstellt wird. Wer Lewis' scharfen Witz, seine humane Ironie und seine Aufmerksamkeit für alltägliche Institutionen kennenlernen möchte, findet hier ein reifes, unterschätztes Werk.
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