
Washington Irvings "Das Leben Mohammeds, des arabischen Propheten" entfaltet eine erzählerisch geordnete Biographie des Religionsstifters, von den politischen und sozialen Verhältnissen Arabiens über die Offenbarungserfahrung bis zur Ausbildung der frühen muslimischen Gemeinschaft. Der Stil verbindet historiographischen Anspruch mit romantischer Anschaulichkeit: Irving dramatisiert Szenen, wahrt jedoch den Gestus gelehrter Darstellung. Im literarischen Kontext des 19. Jahrhunderts steht das Werk zwischen populärer Geschichtsschreibung, orientalistischer Imagination und dem Versuch, europäische Vorurteile durch erzählerische Verständlichkeit zu mildern. Washington Irving, 1783 in New York geboren, war einer der ersten international anerkannten amerikanischen Schriftsteller. Seine Reisen in Europa, sein diplomatischer Dienst in Spanien und sein Interesse an islamisch geprägter Kultur, sichtbar bereits in seinen Schriften über die Alhambra und die Geschichte Granadas, bereiteten dieses Buch vor. Irving schrieb aus der Perspektive seiner Zeit, doch mit bemerkenswerter Neugier für historische Vermittlung und religiöse Gestalten. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die nicht nur eine Biographie Mohammeds suchen, sondern auch ein Dokument westlicher Wissensgeschichte. Es eröffnet Einsichten in Irvings Erzählkunst, in das Islambild des 19. Jahrhunderts und in die bleibende Frage, wie Geschichte literarisch verständlich gemacht wird.
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