
von Ludwig Ganghofer
"Das neue Wesen" entwirft eine erzählerische Untersuchung von Veränderung: Wie bildet sich unter dem Druck von Liebe, gesellschaftlicher Erwartung und moderner Unruhe ein anderer Mensch, ein "neues" Selbst? Ganghofer verbindet realistische Milieubeobachtung mit volksnaher Rede, psychologischer Empfindsamkeit und jener anschaulichen Natur- und Lebensweltzeichnung, die sein Werk prägt. Im literarischen Kontext der Jahrhundertwende steht das Buch zwischen Heimatkunst, bürgerlichem Entwicklungsroman und skeptischer Moderne. Ludwig Ganghofer, 1855 in Kaufbeuren geboren und 1920 am Tegernsee gestorben, war nicht nur einer der meistgelesenen Erzähler seiner Zeit, sondern auch Theatermann, Journalist und genauer Beobachter bayerischer Lebensformen. Seine Erfahrungen zwischen urbaner Kultur, Wiener Bühnenbetrieb und alpiner Landschaft schärften sein Interesse an sozialen Rollen, moralischer Bewährung und innerer Reifung. Gerade daraus erklärt sich die Aufmerksamkeit, mit der er menschliche Wandlungsprozesse literarisch gestaltet. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die Ganghofer nicht auf idyllische Gebirgserzählung verkürzen möchten. "Das neue Wesen" zeigt einen Autor, der populäre Erzählbarkeit mit ernsthafter Charakteranalyse verbindet und Fragen nach Identität, Anpassung und Erneuerung stellt, die über seine Epoche hinaus verständlich bleiben.
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