
von Daniel Illger
Es ist das Paradox der Hölle: Niemand glaubt an sie, und alle wissen, dass sie existiert. Wir kennen die kleinen Höllen der Einsamkeit, Armut und Verachtung ebenso wie die großen Höllen der Kriege, Vertreibungen und Foltergefängnisse. Tatsächlich haben diese immanenten Höllen viel gemein mit der transzendenten Hölle, die uns die Theologie vorstellt: Sie sind qualvoll, andauernd, scheinen ohne Ausweg und Hoffnung. Wer aber erschafft diese Höllen? Und warum? In seinem Essay stellt Daniel Illger die Frage nach der Realität der Hölle in unserem Leben und erklärt, was die Alltagshöllen und die Hölle der Ewigkeit gemein haben, was ihr Wesen ist und was sie als Erfahrung bedeuten. Anschaulich legt er die Kritik eines »politischen Infernalismus« dar, dessen Anhänger andere der Verdammnis überantworten, um sich der eigenen Erlösung zu versichern. Und er zeigt, wie die Bereitschaft, im Widerstand gegen diese Haltung die Hölle zu konfrontieren – und sei es in Ohnmacht und Ratlosigkeit –, als Maß des Menschlichen gelten kann.
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