
Das System der Rechtslehre entfaltet Fichtes Versuch, das Recht nicht aus bloßer Erfahrung, sondern aus den Bedingungen freien Selbstbewusstseins zu begründen. In streng deduktivem, mitunter polemisch zugespitztem Stil führt die Schrift vom Begriff der Person über Anerkennung, äußere Freiheit, Eigentum und Zwang zur Idee einer vernünftigen Rechtsordnung. Im Kontext des nachkantischen Idealismus verbindet sie transzendentale Methode mit praktischer Staatsphilosophie und zeigt, dass Recht für Fichte die institutionelle Form wechselseitig begrenzter Freiheit ist. Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) war einer der entschiedensten Erneuerer der kritischen Philosophie. Seine Wissenschaftslehre suchte das Denken aus der Tätigkeit des Ich zu erklären; die Erschütterungen der Französischen Revolution, die Jenaer Lehrjahre und die Konflikte um politische Legitimität schärften seinen Blick für die Frage, wie Freiheit rechtlich bestehen kann, ohne in Willkür oder Herrschaft umzuschlagen. Diese biographische und intellektuelle Spannung prägt den Entwurf sichtbar. Empfohlen sei das Buch Leserinnen und Lesern, die den Ursprung moderner Rechtsphilosophie jenseits positivistischer Gesetzeslehre verstehen wollen. Wer Kant, Hegel oder Debatten um Anerkennung und Autonomie studiert, findet hier einen anspruchsvollen Schlüsseltext. Seine Dichte verlangt Geduld, belohnt aber mit einer ungewöhnlich klaren Einsicht: Recht ist keine Fessel der Freiheit, sondern ihre notwendige gemeinsame Gestalt.
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