
Der 14. Dezember entfaltet vor dem Hintergrund des Petersburger Dezemberaufstands von 1825 das Drama einer Generation, die Freiheit, Verfassung und moralische Erneuerung gegen die Erstarrung der Selbstherrschaft setzt. Mereschkowski verbindet archivalisch anmutende Genauigkeit mit symbolistischer Verdichtung: politische Verschwörung, aristokratische Salonkultur und religiöse Gewissensprüfung werden zu einem geschichtsphilosophischen Panorama. Der Roman steht im Kontext der russischen Moderne, die Vergangenheit nicht antiquarisch rekonstruiert, sondern als Spiegel der geistigen Krise Russlands liest. Dmitri Mereschkowski, Dichter, Kritiker und Religionsphilosoph des russischen Symbolismus, war zeitlebens von der Spannung zwischen christlicher Erlösungshoffnung und politischer Macht besessen. Seine Beschäftigung mit Revolution, Autokratie und dem Verhältnis von Individuum und Geschichte nährte sich aus den Erschütterungen des Zarenreichs und der Umbrüche von 1905 und 1917. Die Dekabristen boten ihm daher keine bloßen Helden, sondern Prüfsteine für Schuld, Opfer und verfehlte Heilserwartung. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die historische Romane als intellektuelle Erfahrung suchen. Es bietet keine einfache Verherrlichung des Aufstands, sondern eine kluge Befragung seiner Motive und Grenzen. Wer die Vorgeschichte des modernen Russland, die Tragik idealistischer Politik und die kunstvolle Prosa eines europäischen Symbolisten verstehen will, findet hier ein eindringliches, dauerhaft anregendes Werk.
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