
In Der arme Spielmann entfaltet Franz Grillparzer eine kunstvoll gerahmte Novelle über Jakob, einen verarmten Geiger, dessen unbeholfenes Spiel dennoch von einer inneren, fast heiligen Hingabe getragen ist. Der Erzähler begegnet ihm im Wiener Volksleben und rekonstruiert eine Existenz zwischen familiärer Kränkung, gescheiterter Liebe zu Barbara und unzeitgemäßem Kunstideal. In nüchterner, zugleich empfindsamer Prosa verbindet der Text Biedermeier-Realismus mit romantischer Künstlerproblematik und fragt nach dem Wert einer Kunst, die gesellschaftlich misslingt, aber moralisch rein bleibt. Grillparzer, 1791 in Wien geboren und 1872 dort gestorben, war Jurist, Staatsbeamter und einer der bedeutendsten österreichischen Dramatiker des 19. Jahrhunderts. Seine Erfahrung mit bürokratischer Ordnung, Zensur, sozialer Enge und persönlicher Vereinsamung prägt diese Erzählung spürbar. Der arme Spielmann erscheint wie eine leise Selbstbefragung des Autors über künstlerische Berufung, Anerkennung und die schmerzhafte Diskrepanz zwischen innerem Anspruch und äußerem Erfolg. Dieses schmale Werk empfiehlt sich Lesern, die psychologische Genauigkeit, historische Milieuschilderung und ästhetische Reflexion suchen. Es ist keine sentimentale Künstlerlegende, sondern eine präzise Studie über Würde im Scheitern. Gerade durch seine Zurückhaltung entfaltet Der arme Spielmann eine nachhaltige Wirkung und gehört zu den eindringlichsten Prosatexten der österreichischen Literatur.
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