
von Bertolt Brecht
Aktueller, als einer Gesellschaft angenehm sein kann Indem er Hitler und seine Schergen als Chicagoer Gangster auftreten lässt, zeichnet Brecht in seinem »Arturo Ui« (1941) den Aufstieg der Nationalsozialisten zur Macht parabelhaft nach. Diese Verfremdung macht sichtbar, dass die Herrschaft der Nazis keine Laune des Schicksals war, sondern das Ergebnis einer gesellschaftlichen Entwicklung – und sich Ähnliches deshalb jederzeit wiederholen kann. Bertolt Brechts (1898–1956) Episches Theater veränderte die Bühne grundlegend: Das Publikum sollte nicht nur unterhalten, sondern zum selbstständigen Nachdenken über Gesellschaft und Politik angeregt werden. Denn der Aufstieg des Arturo Ui ist aufhaltbar. »Ihr aber lernt, wie man sieht statt stiert.« Aus dem berühmten Epilog Brechts satirische Parabel auf die NS-Machtergreifung. Übertragen in ein amerikanisches Gangstermilieu werden die Mechanismen von Propaganda, Gewalt und Opportunismus entlarvt Brecht verbindet Gangstersprache mit klassischen Versformen und legt damit die Lächerlichkeit totalitärer Rhetorik offen Das Stück zeigt, wie Demokratien durch Korruption, Angst und Machtgier ausgehöhlt werden können Die Schauspieler-Szene, in der Ui das Auftreten lernt, gilt als eine der meistzitierten und meistanalysierten Szenen der Theaterwissenschaft Brecht schrieb das Stück 1941 im finnischen Exil in nur drei Wochen nieder Die Uraufführung erfolgte erst 1958, zwei Jahre nach Brechts Tod
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