
von Bernd Staudte
Das vorliegende Werk untersucht die strukturelle Transformation staatlicher Sicherheitsarchitektur und zeigt, dass die zunehmende Schutzlosigkeit des Bürgers nicht aus einzelnen Fehlentscheidungen entsteht, sondern aus einer systemischen Verschiebung, die den öffentlichen Raum zu einem Ort asymmetrischer Verantwortlichkeiten macht. Während der Staat sein Gewaltmonopol behauptet, hat er die Bedingungen verändert, unter denen dieses Monopol seine Legitimation erhält, indem er Täter unsichtbar macht, Verfahren entpolitisiert und die Wahrnehmung der Bevölkerung durch administrative und kommunikative Filter steuert. Die Analyse zeigt, dass Sichtbarkeit zum zentralen Kriterium moderner Sicherheitsbewertung geworden ist: Der Bürger wird sichtbar gemacht, überwacht, kategorisiert, während der Täter zunehmend aus dem öffentlichen Diskurs verschwindet. Das Werk entwickelt daraus den Grundsatz der sichtbaren Verantwortung, der fordert, dass ein im öffentlichen Raum sichtbares Verbrechen eine ebenso sichtbare staatliche Konsequenz nach sich ziehen muss, nicht als Ausdruck von Vergeltung, sondern als notwendige Transparenz staatlicher Autorität. Die Kapitel legen dar, wie politische, mediale und juristische Mechanismen gemeinsam eine Sicherheitsordnung erzeugen, die den Bürger belastet, den Täter entlastet und den Staat aus seiner Pflicht zur klaren Verantwortungsdarstellung entlässt. Das Buch schließt mit der Forderung nach einer Rückkehr zu einer Sicherheitsarchitektur, die den öffentlichen Raum als Ort staatlicher Präsenz begreift und die Legitimation staatlicher Gewalt an die sichtbare, nachvollziehbare und rechtlich gebundene Konsequenz knüpft.
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