
von Jakob Wassermann
Jakob Wassermanns "Der Fall Maurizius" ist ein groß angelegter Justiz- und Gewissensroman der späten Weimarer Zeit. Im Zentrum steht Etzel Andergast, der Sohn eines berühmten Staatsanwalts, der den alten Mordprozess gegen Leonhart Maurizius neu aufrollt und dabei die Autorität des Vaters erschüttert. Wassermann verbindet kriminalistische Spannung mit psychologischem Realismus, moralphilosophischer Reflexion und gesellschaftskritischer Analyse. Der Roman steht in der Tradition des europäischen Problemromans und fragt, ob Rechtsprechung ohne innere Wahrheit zur bloßen Machttechnik verkommt. Jakob Wassermann, 1873 in Fürth geboren, war ein deutsch-jüdischer Schriftsteller, dessen Werk häufig um Schuld, Ausgrenzung, Gerechtigkeit und die beschädigte Würde des Einzelnen kreist. Seine eigene Erfahrung gesellschaftlicher Fremdheit, sein Misstrauen gegenüber Institutionen und seine Nähe zu den ethischen Konflikten der Moderne prägen diesen Roman entscheidend. "Der Fall Maurizius" erscheint so als literarische Antwort auf eine Epoche, in der Vertrauen in Staat, Familie und Vernunft brüchig geworden war. Empfohlen sei dieses Buch allen Leserinnen und Lesern, die den Kriminalroman nicht als Rätselspiel, sondern als Instrument der Erkenntnis schätzen. Wassermanns Werk fordert Geduld, belohnt sie jedoch mit einer eindringlichen Untersuchung von Wahrheit, Verantwortung und moralischer Reife.
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