
Der Löwe von Flandern entfaltet die dramatische Vorgeschichte der Sporenschlacht von 1302, in der flämische Städte und Zünfte der französischen Vorherrschaft entgegentreten. Conscience verbindet chronikalische Geschichtsdarstellung mit romantischem Pathos, plastischen Massenszenen und klar gezeichneten moralischen Gegensätzen. Als historischer Roman des 19. Jahrhunderts steht das Werk im Kontext nationaler Selbstvergewisserung und macht mittelalterliche Geschichte zu einem literarischen Erinnerungsraum. Hendrik Conscience, 1812 in Antwerpen geboren, gilt als zentrale Gestalt der flämischen Literatur. In einer Zeit, in der Französisch das kulturelle Prestige Belgiens dominierte, schrieb er bewusst auf Niederländisch und trug wesentlich zur Aufwertung der flämischen Sprache bei. Seine Erfahrungen im jungen belgischen Staat, sein Interesse an Volksbildung und sein romantisch-historisches Denken erklären die leidenschaftliche Hinwendung zu Flanderns Vergangenheit. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die historische Romane nicht nur als Abenteuer, sondern als Ausdruck politischer und kultureller Identitätsbildung verstehen möchten. Trotz zeitgebundener Idealisierungen besitzt der Roman erzählerische Kraft und dokumentarischen Wert. Er eröffnet einen Zugang zur flämischen Bewegung, zur europäischen Romantik und zur Frage, wie Literatur Geschichte in kollektives Gedächtnis verwandelt.
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Maße: 22.9 x15.2 x1.1 cm
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