
von Joseph Roth
Joseph Roths Der stumme Prophet ist ein postum als Fragment überlieferter politischer Roman, der am Schicksal des Revolutionärs Friedrich Kargan die Erstarrung revolutionärer Verheißungen untersucht. Zwischen Untergrund, Emigration und Machtapparat entfaltet Roth keine Doktrin, sondern eine Anatomie des politischen Glaubens: Pathos, Askese und Verrat erscheinen in nüchterner, reportagehaft geschärfter Prosa, durchzogen von elegischer Ironie. Im Kontext der Zwischenkriegsmoderne steht das Buch neben den großen Desillusionierungsromanen über Revolution und Exil, bleibt jedoch unverwechselbar rothsch in seiner Aufmerksamkeit für verlorene Menschen. Joseph Roth, 1894 im galizischen Brody geboren, war als jüdischer Österreicher, Kriegsteilnehmer und glänzender Feuilletonist Zeuge des Zerfalls jener habsburgischen Ordnung, die er später zugleich kritisierte und betrauerte. Seine Reisen nach Russland, seine journalistische Nähe zu den politischen Erschütterungen Europas und seine frühe Skepsis gegenüber totalitären Heilsversprechen bilden den Erfahrungsgrund dieses Romans. Roths eigene Existenz in Hotels, Redaktionen und Exilen schärfte seinen Blick für Entwurzelung, ideologische Verführung und die Einsamkeit des Intellektuellen. Zu empfehlen ist Der stumme Prophet Lesern, die Roth nicht nur als Chronisten der Monarchie, sondern als hellsichtigen Analytiker des 20. Jahrhunderts entdecken wollen. Das Buch verlangt Aufmerksamkeit, belohnt sie aber mit historischer Tiefenschärfe, moralischer Ambivalenz und einer Sprache, die politische Erkenntnis in literarische Form verwandelt.
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