
Der Tor entfaltet als früher Roman Bernhard Kellermanns die Geschichte eines Menschen, dessen idealistische Wahrnehmung der Welt mit gesellschaftlicher Nüchternheit und innerer Unsicherheit kollidiert. Der Titel verweist nicht bloß auf Dummheit, sondern auf eine existentielle Rolle: den Außenseiter, der durch Empfindsamkeit, Sehnsucht und Selbsttäuschung zugleich scheitert und Erkenntnis gewinnt. Stilistisch verbindet Kellermann psychologische Beobachtung, symbolistische Stimmungen und die erzählerische Klarheit der literarischen Moderne um 1900. Bernhard Kellermann, 1879 in Fürth geboren, gehörte zu jenen deutschen Autoren, die zwischen Neuromantik, Impressionismus und technikgläubiger Moderne vermittelten. Seine Reisen, seine künstlerische Ausbildung und sein ausgeprägtes Interesse an seelischen Grenzzuständen prägten sein Erzählen. Noch vor dem Welterfolg von Der Tunnel zeigt Der Tor Kellermanns Neigung, individuelle Lebensentwürfe als Spiegel größerer kultureller Spannungen zu lesen. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die psychologisch dichte Prosa und literarische Übergangsphänomene der Jahrhundertwende schätzen. Der Tor ist kein bloß historisches Dokument, sondern eine fein gearbeitete Studie über Illusion, Verletzbarkeit und die Würde des scheinbar Verfehlten.
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