
John Henry Mackays Der Unschuldige entfaltet die Geschichte eines Menschen, dessen moralische Integrität an den Erwartungen und Vorurteilen seiner Umgebung zerreibt. Weniger auf äußere Handlung als auf seelische Spannung, soziale Beobachtung und argumentative Präzision gegründet, verbindet das Buch psychologischen Realismus mit der ethischen Schärfe der Literatur des Fin de Siècle. In seinem nüchternen, zugleich eindringlichen Stil untersucht Mackay die Frage, wie Unschuld entsteht, behauptet oder gesellschaftlich zerstört wird. Mackay, 1864 in Greenock geboren und in Deutschland aufgewachsen, gehörte zu den eigenständigsten Stimmen der deutschsprachigen Moderne. Als Dichter, Erzähler und Theoretiker des individualistischen Anarchismus stand er unter dem Einfluss Max Stirners und verteidigte zeitlebens das Recht des Einzelnen gegen staatliche, moralische und soziale Bevormundung. Diese biographische und geistige Haltung erklärt die Sensibilität, mit der er Außenseiter, Verfolgte und missverstandene Existenzen gestaltet. Der Unschuldige empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Literatur nicht nur als Erzählung, sondern als präzise Untersuchung gesellschaftlicher Machtverhältnisse verstehen. Das Buch ist besonders wertvoll für alle, die sich für Individualismus, Schuldbegriffe und die verborgenen Mechanismen moralischer Verurteilung interessieren.
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