
Des Kaisers alte Kleider entfaltet eine elegant gebaute Satire auf Macht, Schein und gesellschaftliche Leichtgläubigkeit. Ausgehend von der an Andersen erinnernden Parabel der entlarvten Autorität verbindet Frank Heller kriminalistische Spannung, feuilletonistische Ironie und einen kosmopolitischen Blick auf das Europa des frühen 20. Jahrhunderts. Sein Stil ist pointiert, beweglich und von jener kultivierten Zweideutigkeit geprägt, in der Betrug und Erkenntnis oft nur durch eine Nuance getrennt sind. Frank Heller, Pseudonym des schwedischen Schriftstellers Gunnar Serner, schrieb aus einer ungewöhnlich internationalen Erfahrung heraus. Reisen, Exil, finanzielle Abenteuer und die genaue Kenntnis bürgerlicher Fassaden schärften seinen Sinn für Maskerade, Opportunismus und moralische Grauzonen. Diese biographische Nähe zu unsteten Milieus erklärt die Präzision, mit der er Hochstapler, Honoratioren und Institutionen gleichermaßen beobachtet. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die Unterhaltung nicht von intellektueller Schärfe trennen möchten. Wer raffinierte Erzählkunst, gesellschaftliche Beobachtung und leise subversiven Humor schätzt, findet hier ein Werk, das historische Distanz besitzt und dennoch erstaunlich gegenwärtig wirkt.
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