
von Ernst Weiss
Die Feuerprobe: Ein Tagtraum entfaltet in konzentrierter Form eine psychische Prüfung: Aus einer scheinbar alltäglichen Situation wächst ein inneres Drama von Schuld, Angst und Selbstbefragung. Der Untertitel weist den Text als Tagtraum aus; Weiß nutzt eine gleitende, von Wahrnehmung, Erinnerung und Vision bestimmte Prosa, die realistische Kontur mit expressionistischer Verdichtung verbindet. Im Kontext der mitteleuropäischen Moderne erscheint das Buch als Studie über Bewusstsein unter Druck, weniger Handlungserzählung als Versuchsanordnung seelischer Grenzerfahrung. Ernst Weiß (1882-1940), Arzt und Schriftsteller aus Brünn, brachte medizinische Beobachtungsgabe, klinische Nüchternheit und existenzielle Sensibilität in sein Werk ein. Seine Erfahrungen als Chirurg, Schiffsarzt und Kriegsteilnehmer schärften den Blick für Körper, Schmerz und moralische Ausgesetztheit; zugleich stand er im Umfeld der Prager und Wiener Moderne, in Nähe zu Kafka und zur psychoanalytisch geprägten Selbstdeutung der Zeit. Die Feuerprobe lässt sich aus dieser Biographie als literarische Laboraufnahme eines Menschen verstehen, der sich vor dem eigenen Inneren verantworten muss. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die kurze, aber dichte Prosa schätzen und in Literatur nicht bloß Ereignis, sondern Erkenntnis suchen. Weiß' Text verlangt Aufmerksamkeit für Nuancen und belohnt sie mit einer klaren Anatomie der Angst. Wer die nervöse Intelligenz der Moderne verstehen will, findet hier ein eindringliches Dokument.
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