
von Georg Ebers
Georg Ebers' historischer Roman "Die Frau Bürgermeisterin" führt in die belagerte Stadt Leiden während des niederländischen Freiheitskampfes gegen die spanische Herrschaft. Im Mittelpunkt steht Maria, die Frau des Bürgermeisters Peter van der Werff, deren persönliches Empfinden mit den Forderungen politischer Standhaftigkeit kollidiert. Ebers verbindet archivalisch anmutende Genauigkeit mit einer spannungsreichen Handlung: häusliche Konflikte, religiöse Gegensätze und republikanischer Opfermut werden zu einem Panorama der frühen Neuzeit. Sein Stil ist anschaulich, pathetisch kontrolliert und dem historischen Realismus des 19. Jahrhunderts verpflichtet. Der Autor Georg Ebers (1837-1898), Ägyptologe, Universitätsgelehrter und erfolgreicher Erzähler, besaß eine besondere Fähigkeit, historische Stoffe durch wissenschaftliche Recherche und psychologische Erfindung zu beleben. Obwohl er vor allem durch Romane aus dem alten Ägypten bekannt wurde, interessierte ihn hier die moralische Energie bürgerlicher Gemeinwesen. Seine akademische Schulung, sein Sinn für Quellen und sein liberales Geschichtsverständnis prägen die Darstellung von Pflicht, Glauben und nationaler Selbstbehauptung. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die historische Romane nicht nur als Kostümabenteuer, sondern als Deutung politischer und menschlicher Entscheidungen schätzen. "Die Frau Bürgermeisterin" bietet eindringliche Charakterzeichnung, dramatische Zuspitzung und ein reflektiertes Bild weiblicher Handlungskraft in einer von Krieg und Gewissen bestimmten Welt.
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