
von Malte Herwig
Das Hotel der Kriegsverbrecher – Eine verblüffende Episode vom Ende des Zweiten Weltkriegs Im Mai 1945 spielen sich sonderbare Dinge in dem kleinen Kurort Mondorf-les Bains in Luxemburg ab. Um das luxuriöse Palace Hotel wird Stacheldraht gezogen, amerikanische Soldaten sichern das Gelände. Möbel werden ausgetauscht, Zimmer neu zugewiesen – und 86 Männer beziehen die oberen Stockwerke: ehemalige Spitzenfunktionäre des NS-Staates, unter ihnen Hermann Göring, Julius Streicher und Robert Ley, aber auch die Generäle der Wehrmacht, etwa Joachim von Ribbentrop, Großadmiral Dönitz und Generalfeldmarschall Keitl. »Camp Ashcan« nennen die Amerikaner diesen Ort, ein geheimes Gefängnis, in dem die Gefangenen verhört werden, bevor sie im September 1945 zum Prozess nach Nürnberg gebracht werden. Wochenlang leben sie Tür an Tür – beobachtet, befragt, entmachtet. Malte Herwig erzählt die Geschichte dieses Sommers mit feinem Gespür für das Groteske der Situation. Er schildert den tiefen Fall der einstigen Nazi-Machthaber, die sich im „Haus der besiegten Übermenschen“ (Time Magazine) bald in gegenseitigen Schuldzuweisungen und Selbstmitleid ergehen und mit ihrem Bedeutungsverlust hadern. Zwischen Verdrängung, gegenseitigen Beschuldigungen und gekränkter Eitelkeit entsteht ein beklemmendes Panorama vom Ende einer Ideologie – und dem Anfang ihrer Aufarbeitung.
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