
Die Gräfin Charny führt Dumas' großen Revolutionszyklus in seine düsterste Phase: vom Nachhall des Halsbandprozesses und der Flucht nach Varennes bis zur Auflösung der alten Ordnung. Im Zentrum stehen Andrée de Taverney, Olivier de Charny, der naive Ange Pitou und der Arzt Gilbert, deren private Leidenschaften mit Nationalversammlung, Volksaufstand und königlicher Gefangenschaft verschränkt werden. Der Stil ist der des großen Feuilletons: bewegte Dialoge, dramatische Szenenwechsel und eine romantische Geschichtsschreibung, die historische Fakten in moralische und emotionale Spannung übersetzt. Alexandre Dumas, 1802 als Sohn des Generals Thomas-Alexandre Dumas geboren, schrieb aus der Perspektive eines Autors, dem Revolution, Empire und Restauration noch lebendige politische Kräfte waren. Seine Theatererfahrung, sein republikanisches Temperament und die Zusammenarbeit mit Auguste Maquet begünstigten jene Verbindung von Quellenlektüre, Anekdote und erzählerischem Schwung. In Die Gräfin Charny fragt er, wie Geschichte den Einzelnen formt und wie Loyalität, Liebe und Standesehre unter revolutionärem Druck zerbrechen. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die historische Romane nicht als bloße Kulisse, sondern als Deutung gesellschaftlicher Umbrüche schätzen. Dumas bietet ein weit gespanntes Panorama, in dem höfische Tragödie, Volksenergie und persönliches Schicksal einander erhellen. Wer die Französische Revolution erzählerisch, sinnlich und zugleich politisch begreifen möchte, findet hier einen eindrucksvollen Zugang.
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