
von Lars Holm, Thorsten Schulte u. a.
Die große Täuschung entfaltet sich als elegant konstruierter Spionage- und Identitätsroman am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Im Zentrum steht die unheimliche Doppelgänger-Konstellation zwischen dem Engländer Sir Everard Dominey und dem deutschen Baron Leopold von Ragastein, deren Begegnung in Afrika eine Kette politischer und persönlicher Verstellungen auslöst. Oppenheim verbindet mondäne Gesellschaftsszenen, psychologische Spannung und geopolitische Intrige zu einem frühen Klassiker des internationalen Thrillers. E. Phillips Oppenheim, 1866 in London geboren, war einer der produktivsten und erfolgreichsten Unterhaltungsschriftsteller seiner Zeit. Seine Nähe zu den Ängsten und Faszinationen des edwardianischen und nachviktorianischen Publikums prägte sein Werk: Geheimdiplomatie, europäische Rivalitäten, aristokratische Maskenspiele und moderne Spionage erscheinen bei ihm nicht als bloße Kulisse, sondern als Ausdruck einer Weltordnung im Übergang. Die große Täuschung verdichtet diese Interessen mit besonderer erzählerischer Sicherheit. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die klassische Spannungsliteratur mit historischem Bewusstsein schätzen. Wer John Buchan, frühe Agentenromane oder die Kulturgeschichte des Vorkriegs-Europa kennt, findet hier ein raffiniertes Beispiel dafür, wie Identität, Loyalität und politische Täuschung literarisch dramatisiert werden. Oppenheims Roman bleibt fesselnd, weil seine Maskerade zugleich Abenteuer, Gesellschaftsstudie und Zeitdiagnose ist.
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