
Die Intellektuellen entfaltet ein scharf beobachtetes Panorama der gebildeten bürgerlichen Kreise um 1900: Salons, Debatten, Liebesverhältnisse und moralische Selbstprüfungen werden zu Schauplätzen einer tieferliegenden Krise moderner Subjektivität. Meisel-Heß verbindet psychologischen Realismus mit essayistischer Reflexion und gesellschaftskritischer Ironie. Im Kontext von Wiener Moderne, Frauenbewegung und zeitgenössischer Sexualreform liest sich der Roman als Analyse jener Menschen, die geistige Freiheit proklamieren, aber an Konvention, Eitelkeit und geschlechtlicher Ungleichheit scheitern. Grete Meisel-Heß, österreichische Schriftstellerin, Publizistin und engagierte Vordenkerin der Frauen- und Sexualreform, schrieb aus genauer Kenntnis jener Milieus, die sie literarisch seziert. Ihre Auseinandersetzung mit Ehe, Mutterschaft, weiblicher Bildung und erotischer Selbstbestimmung prägte ihr Werk nachhaltig. Die Intellektuellen erscheint daher nicht als bloßer Gesellschaftsroman, sondern als künstlerische Verdichtung ihrer kulturkritischen und emanzipatorischen Überzeugungen. Zu empfehlen ist dieses Buch allen Leserinnen und Lesern, die die Moderne nicht nur als ästhetisches Experiment, sondern als soziale und moralische Umbruchserfahrung verstehen möchten. Es bietet eine kluge, bisweilen unbequeme Lektüre über Denken und Handeln, Ideal und Lebenspraxis. Gerade heute überzeugt der Roman durch seine präzise Diagnose intellektueller Selbsttäuschung.
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