
Die Kartause von Parma, 1839 erschienen, entfaltet vor dem Hintergrund der napoleonischen Nachwirkungen und der italienischen Kleinstaaterei die Geschichte Fabrizio del Dongos, seiner Tante Gina Sanseverina und des Grafen Mosca. Zwischen Schlachtfeld, Hofintrige, Gefängnisturm und Liebesprüfung verbindet Stendhal politische Analyse mit psychologischem Realismus. Sein Stil ist rasch, ironisch, scheinbar nüchtern und doch von romantischer Energie getragen; der Roman steht an der Schwelle zwischen Abenteuer-, Bildungs- und Gesellschaftsroman. Stendhal, eigentlich Henri Beyle, war geprägt von seiner Begeisterung für Napoleon, seinen Italienaufenthalten und seiner Abneigung gegen restaurative Enge. Italien bedeutete ihm Leidenschaft, Kunst und moralische Beweglichkeit, während die französische Nachrevolutionsgesellschaft ihm oft prosaisch erschien. Diese biographischen Erfahrungen erklären die ungewöhnliche Mischung aus militärischer Erinnerung, liberalem Skeptizismus und intimer Kenntnis höfischer Machtspiele, die das Buch durchzieht. Dieses Werk empfiehlt sich Lesern, die historische Erzählkunst nicht als bloße Kulisse, sondern als Untersuchung von Freiheit, Begierde und politischer Täuschung verstehen. Die Kartause von Parma belohnt aufmerksame Lektüre mit funkelnder Intelligenz, erzählerischer Leichtigkeit und Figuren von seltener Lebendigkeit.
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