
von Blaise Cendrars, Christopher Lukas u. a.
In "Die Rote Lilie" entfaltet Anatole France einen subtilen Gesellschafts- und Liebesroman, der die Leidenschaft zwischen Thérèse Martin-Bellème, einer verheirateten Frau der Pariser Oberschicht, und dem Künstler Jacques Dechartre vor dem Hintergrund Florentiner Kunstlandschaften und mondäner Salons verfolgt. Der Stil verbindet psychologische Feinanalyse, elegante Ironie und symbolistische Farbigkeit; die rote Lilie wird zum Zeichen begehrender Schönheit, aber auch verletzender Eifersucht. Literarisch steht der Roman zwischen naturalistischer Milieubeobachtung und dekadenter Sensibilität der Jahrhundertwende. Anatole France, 1844 in Paris geboren und später Nobelpreisträger, war ein gelehrter Skeptiker, Humanist und scharfer Beobachter bürgerlicher Konventionen. Seine Herkunft aus einer Buchhändlerfamilie, seine klassische Bildung und seine Nähe zu den intellektuellen Debatten der Dritten Republik prägten sein Interesse an Moral, Kunst und gesellschaftlicher Maskerade. In diesem Roman verdichtet er Erfahrungen des Pariser Kulturlebens zu einer Studie über Liebe als ästhetische Illusion und soziale Gefahr. Empfohlen sei "Die Rote Lilie" Lesern, die keinen bloßen Ehebruchsroman erwarten, sondern eine kunstvolle Untersuchung von Begehren, Selbsttäuschung und Besitzanspruch. France zeigt mit kühler Eleganz, wie Schönheit verführt und wie Liebe an ihrem eigenen Ideal zerbricht.
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